Dienstag, 8. April 2014

The Bachelor goes royal


Kiera Cass
Selection 
Fischer Sauerländer-Verlag
19,99€



35 Mädchen. Eine Krone. Die Chance ihres Lebens. Die Chance ihres Lebens, das ist das Casting, bei dem am Schluss eine von ihnen erwählt wird, Prinz Maxon, Thronfolger des Staates Illéa, zu heiraten. America Singer ist eigentlich glücklich und doch heimlich vergeben an den jungen Aspen, der einer niedrigeren Kaste als der ihren entstammt. Er ist es, der sie ironischerweise dazu drängt, an dem Casting teilzunehmen und siehe da: America kommt unter die 35 Auserwählten, die in den Palast ziehen und Prinz Maxon kennenlernen dürfen. Zunächst bietet sie sich ihm nur als Beraterin und Freundin an, doch dann entwickelt America trotz guter Vorsätze Gefühle für den schmucken Prinzen. Wird sie sein Herz für sich gewinnen und das Casting gewinnen? Liebt sie Maxon tatsächlich? Wird sie auf Aspen verzichten? 

Seit den Hungerspielen wird der Markt überschwemmt von Dystopien bzw. einem Mix aus Dystopien und Utopien, immer verbunden mit einer latenten Medienkritik, was das Ganze noch interessant macht. Der erste Band von Selection stützt sich auf ein sehr einfaches Konzept: Es geht um einen Wettbewerb, eigentlich wie bei den Tributen. Nur geht es hier nicht um Leben und Tod, sondern um das Herz des schönen Prinzen. Es erinnert an diese moderne Fernsehsendung „The Bachelor“, gleichzeitig hat Selection aber einen märchenhaften Touch: Da ist von Prinzen und Prinzessinnen, schönen Kleidern und Benimmregeln die Rede. Vielleicht habe ich zu viele feministisch angehauchte Bücher in letzter Zeit gelesen, aber ich komme nicht so richtig damit klar, dass sich 35 Mädchen wirklich auf den Weg machen, um um das Herz eines Typen, den sie gar nicht kennen, zu battlen. Und mal ehrlich, wer will denn heutzutage noch eine Prinzessin sein? Vielleicht an Karneval, aber all die Medienaufmerksamkeit und Pflichten, die man als Royal hat, sind mehr eine Last als ein Vergnügen. Wer würde schon wirklich gerne mit Herzogin Kate tauschen? 

Nun gut, aber das Lager der glorreichen 35 spaltet sich ohnehin in jene auf, die den Prinzen wollen, jene, die den Ruhm und die Macht wollen und schließlich noch jene, die mit der Aufwandsentschädigung für das Casting die Daheimgebliebenen ernähren wollen – alles eine Frage der Kaste, in die man geboren wurde. Sympathisch war mir also America durchaus, die zwar anfangs ein wenig allzu vehement damit beschäftigt war, Aspen dazu zu verführen, ihr einen Heiratsantrag zu machen, aber später in Maxons Gegenwart doch ein bisschen Frauenpower gezeigt hat: Sie gehört zur Sparte der schönen, aber temperamentvollen Protagonistinnen, die ihrem Herz folgt und sagt, was sie denkt. Ihre Emotionalität scheint ihre Schwäche zu sein, letztlich ist aber auch das eine verkappte Stärke. Nach einem vielschichtigen Charakter muss man also hier nicht suchen, America bleibt wie Aspen und Maxon im Grunde stereotypisch. Stereotypisch, aber wie gesagt nicht unsympathisch!

Eigentlich muss man großzügig sein mit Büchern dieser Art. Die Geschichten sind vorhersehbar, aber ganz nett und obwohl man weiß, dass sie sich früher oder später doch in Maxon verliebt, fiebert man doch mit. Für ein paar Stunden garantiert Selection durchaus Lesespaß, man will ja wissen, wie es ausgeht. Allerdings kann ich über die „Aufreger“ nicht ganz hinwegsehen. Wieso sieht der blöde Prinz nicht, was für eine intrigante Schlange Celeste (auch stereotypisch) ist? Wieso vertraut America ihm so früh an, dass sie doch etwas für ihn empfinden könnte? Wieso spricht sie nicht mehr mit Aspen, als er wieder in ihr Leben zurückkehrt? Warum zur Hölle fangen praktisch alle Mädchen außer America immer an zu weinen, wenn die Rebellen angreifen? Wieso fangen sie an zu weinen, wenn sie hören, dass bald welche aus dem Casting rausfliegen? Schön, schön, man kennt es ja von all den Castingsendungen à la Germany’s next Topmodel, aber auch da frage ich mich häufig: Wo bleibt da die Würde? Und dabei geht es ja wenigstens um den Aufbau der eigenen Karriere, hier geht es „nur“ um einen Mann, den sie alle nicht richtig kennen, geschweige denn lieben können. Hier, eines meiner "Lieblings"zitate in dem Zusammenhang:
"Und Lady America." Maxon schaute zu mir, und ich spürte, wie sich jeder Muskel in meinem Körper entspannte. Tiny fing sofort an zu weinen, und sie war nicht die Einzige. Maxon stieß einen lauten Seufzer aus. 

Die Storyline von Selection gäbe durchaus Stoff für ein bisschen wohlplatzierte Kritik an unserer eigenen Medienlandschaft, aber das verpasst die Autorin hier, zu konzentriert ist sie auf eine strikte Handlungsfortführung und das Liebesdreieck. 

Jugendbücher müssen nicht immer nur für Jugendliche sein, aber Selection ist in der Tat doch eher nur ein Buch für die Jugend. Da es einen aber doch ein wenig unterhält und amüsiert, vergebe ich zwei Sterne – manchmal macht es auch Spaß, etwas zu lesen, worüber man sich später leidenschaftlich aufregen kann.






Zum Leben ist es nie zu spät


Das Leben ist ein listiger Kater
Marie-Sabine Roger
Atlantik Verlag
19,99 €




Der nächtliche Sturz in die Seine stellt das Leben des Rentners Jean-Pierre gehörig auf den Kopf: Als er aufwacht, findet er sich im Krankenhaus wieder und kann sich an den Unfall nicht erinnern. Wichtiger ist ohnehin das Hier und Jetzt: Erstmals muss sich der verwitwete Eigenbrödler als „das Becken im Zimmer 28“ mit dem harten Krankenhausalltag auseinandersetzen und dabei auch noch gesund werden. Zur Ablenkung schreibt er dabei seine Memoiren, wird aber immer wieder von den vielen Besuchern gestört, die ungefragt auftauchen: Da wäre der junge Camille, der sich prostituiert und Jean-Pierre höchstpersönlich des Nachts aus der Seine zog, die 14-jährige Maeva, die tagelang vor Jean-Pierres Tür herumlungert, weil sie ein Auge auf seinen Laptop geworfen hat, die nette und pragmatische Krankenschwester Myriam und der sympathische Polizist Maxime, der sich durch Jean-Pierre an seinen Vater erinnert fühlt. Die Freundschaft zu ihnen ist es schließlich, die „dem Mann aus der Seine“ den Krankenaufenthalt erträglich macht und ihm sogar neuen Lebensmut schenkt, denn in den Sechzigern ist das Leben doch schließlich nicht vorbei … 

Es sind Jean-Pierres Memoiren, die der Leser da liest, wenn er „Das Leben ist ein listiger Kater“ zur Hand nimmt. Mit seinen 224 Seiten, kurzen Kapiteln und dem angenehm zu lesenden Schreibstil Rogers lässt sich das Buch relativ schnell lesen. Ob man das tun sollte? Nein! Es empfiehlt sich unbedingt, es langsam zu lesen, sich Zeit zu lassen und sich selbst die Gelegenheit geben über die Figuren, die Marie-Sabine Roger hier erschafft, nachzudenken. Es ist interessant, wie viele unterschiedliche Charaktere verschiedenen Alters im Krankenhaus aufeinandertreffen. 

Der Aufbau von Jean-Pierres sehr ungewöhnlichen Memoiren ist es, der das Buch so interessant macht: Diese gliedern sich in zwei verschiedene Ebenen. Da ist zum einen selbstverständlich Jean-Pierres Vergangenheit mit seiner Kindheit, seinen Streichen und Erlebnissen, seiner stürmischen Jugend, seiner nicht immer glücklichen Ehe, dem frühen Tod seiner Frau. Doch in Jean-Pierres Memoiren schleicht sich auch immer wieder auf einer zweiten Ebene ganz untypisch für Memoiren die Gegenwart ein: Nimmt er zunächst nur die Organisation des Krankenhauses und die scheinbar unmenschlichen Ärzte auf die Schippe, sind es doch Charaktere wie Maeva und Maxime, Camille und Myriam, die ihn herausfordern und interessieren. Nach und nach erfahren Jean-Pierre und der Leser die verschiedenen Geschichten, was auch dazu führt, dass Jean-Pierre immer mehr auf die Gegenwart fokussiert. Am Ende des Buches wird diese sogar schließlich mit der Zukunft verknüpft und der Leser stellt erfreut fest, dass Jean-Pierre bei aller (Alters-)Weisheit etwas Wichtiges gelernt hat: Zum Leben ist es nie zu spät. 

In diesem Buch geht es spürbar um die Charaktere und deren persönliche Entwicklung, aber auch um die Beziehungen zueinander. Mitunter bizarre, aber glaubwürdige Freundschaften und Verbindungen entstehen. Das Buch ist wenig handlungsorientiert, trotzdem hält es hier und da doch Überraschungen für seine Leser bereit, mit denen man so einfach nicht gerechnet hätte. Dabei orientiert es sich an einer mitunter traurigen Realität, Klischees räumt Marie-Sabine Roger keinen Platz ein. Vielmehr führt sie den Lesern Menschlichkeit vor Augen, gute Absichten und falsche Ergebnisse, die sich manchmal am Ende als gar nicht so falsch herausstellen. 

Die Sprache kommt leicht und sarkastisch daher, Bilder und Metaphern sind angepasst an das Alter und die Krankenhaussituation Jean-Pierres und machen aus dem Protagonisten einen Mann mit einem wundervoll verschrobenen Humor, der gleichzeitig kritisiert, entdramatisiert und amüsiert. Ausdrücke wie „Inkontinenz der Gefühle“ bleiben dem gut unterhaltenen Leser da lange im Gedächtnis. 

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, nur war ich nicht immer mit Jean-Pierre einer Meinung. Sein Humor war großartig, seine Weisheiten habe ich wohl verstanden, aber nicht immer teilen können. Vielleicht fällt es einer jungen Frau in ihren Zwanzigern auch ein bisschen schwer, sich in einen Sechzigjährigen hineinzuversetzen, obwohl ich mich immer gegen diese Ansicht à la „Wenn du mal in meinem Alter bist, wirst du das auch anders sehen“ wehren möchte. Sein Blick auf seine Jugend ist jedoch absolut verklärend und verallgemeinernd, was mich ein bisschen genervt hat – hat nicht jede Altersgruppe ihre Sorgen? Sicher ein Punkt, über den man streiten kann. Vielleicht hat sich hier dann schlussendlich doch noch ein Klischee eingeschlichen: Das Klischee des jungen Rowdys, der unbeschwert, sorglos und risikofreudig durch seine Zwanziger zieht und sich später allzu sehr nach dieser Zeit sehnt. 

Hingegen gefiel mir das Bild des heutigen modernen Rentners, der einen Laptop besitzt, damit umzugehen weiß und sogar StayFriends nutzt, wirklich gut. Eine gelungene kleine Geschichte über das Älterwerden, Freundschaft über die Generationen hinweg und Lebensmut, der sich immer (wieder )finden lässt!





Bittersüße Loyalität - ein schmerzhaft-schöner Abschluss der Trilogie!



Clockwork Princess: Chroniken der Schattenjäger 3
Cassandra Clare
Arena Verlag (September 2013)
19,99 €



„Ich werde dich nicht endgültig verlassen, Will. Wenn du kämpfst, werde ich immer noch bei dir sein. Wenn du durch diese Welt gehst, werde ich das Licht an deiner Seite, der feste Boden unter denen Füßen sein und die Kraft, die das Schwert in deiner Hand führt. Wir sind miteinander verbunden, über den Eid hinaus.“


Es ist die magische und zugleich so menschliche Freundschaft von Will und Jem, die die „Chroniken der Schattenjäger“ zu etwas Besonderem macht und ihr sogar ein wenig Weisheit verleiht. Nichts kann diese beiden jungen Männer auseinanderbringen: Nicht der Fluch, von dem Will glaubte belegt zu sein, nicht Jems Yin Fen-Sucht, die ihn schwächt, nicht die Liebe zu dem gleichen Mädchen, ja nicht einmal der Tod. Loyalität spielt immer eine Rolle in ihren Büchern, doch in der Verbindung von Will und Jem enfaltet sich dieser Wert auf eine beeindruckende Art und Weise - geradezu magisch. 

Im letzten Band der Trilogie Cassandra Clares, die im London des 19. Jahrhunderts spielt, geht es nicht nur um den finalen Kampf gegen den Magister Mortmain, dessen Klockwerkarmee zahlreicher und gefährlicher ist denn je. Es geht auch um Freundschaft und Liebe, Loyalität und Verlangen - Werte und Gefühle, die an Intensität nicht mehr zu überbieten sind. Cassandra Clare ist es gelungen, die Dreiecksliebe zwischen Tessa, Will und Jem über drei Bände hinweg glaubwürdig zu konstruieren, zu entwickeln und nun aufzulösen – eine Auflösung, deren volles Ausmaß man nicht mal dann kennt, wenn man den Fehler gemacht hat, den Cover-Umschlag vom Buch zu lösen und sich vom innen abgedruckten Stammbaum spoilern zu lassen. Um die Schönheit von Cassanda Clares Magie zu verstehen, muss man das Buch schon ganz gelesen haben!

Plätscherten die ersten 200 Seiten noch ein wenig ziellos dahin (so fragte ich mich doch lange, welche Bedeutung der Episode um den Dämonen-Wurm Mr. Lightwood zukam), gelang es Cassandra Clare, den restlichen 400 Seiten eine besondere Spannung zu verleihen, bei der der Leser wusste: Die Chroniken der Schattenjäger steuern auf ihren Höhepunkt zu. Wie in jedem ihrer Bücher hat sie dabei wieder einmal das Talent bewiesen, Kampfszenen anschaulich und so kurzweilig zu beschreiben, dass sogar Menschen, denen an Action nichts liegt, hungrig die betroffenen Seiten verschlingen. Wie so häufig quält sie auch in diesem Band ihre Figuren nicht nur emotional, sondern auch existenziell: Irgendwann ist man auch als Leser, der sich um das Wohlergehen seiner geliebten Schattenjäger sorgt, an dem Punkt, an dem er denkt. „Es kann nicht mehr schlimmer werden!“ Doch man sollte dabei stets den Spruch „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“ beherzigen, was Cassandra Clare tut und ein fulminantes Kampffinale beschreibt, das man in dieser Zusammensetzung so nicht erwartet hat.

Alles in allem bin ich sehr glücklich mit dem Abschluss der Trilogie, denn es ist ein stimmiges, rundes Ende. Das ist auch der Grund, warum ich froh bin, dass dies auch wirklich der letzte Band der Reihe ist und sie nicht noch weitere Bände dazu schreibt. Denn obwohl ich ein Fan von ihrem süffigen Schreibstil bin, so denke ich doch, dass ihre andere Buchreihe rund um Clary, Jace und Co nach dem dritten Band hätte enden sollen. Dann wäre es vielleicht so schmerzhaft-schön geblieben wie bei der Clockwork Princess.







Ein unterhaltsamer Spannungsroman - aber ausbaufähig!





Das Mädchen mit den blauen Augen
Michel Bussi
Rütten & Loening-Verlag (Februar 2014)
14, 99 €

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„Jetzt wissen Sie alles. Ich habe in diesem Heft alle Indizien zusammengetragen, alle Spuren, alle Hypothesen. Achtzehn Jahre Nachforschungen. Diese etwa hundert Seiten enthalten alles.“


„Alles“, das bedeutet in „Das Mädchen mit den blauen Augen“ das Wissen um die Identität des kleinen Mädchens, das als Einzige bei einem Flugzeugabsturz des Jahres 1980 im Jura überlebte. Ist sie Lyse-Rose Carville, Sprössling einer einflussreichen, reichen Familie? Oder ist sie Emilie Vitral und damit Nachkomme einer minderbemittelten, doch herzlichen Familie? Dieses Rätsel konnte Privatdetektiv Grand-Duc auch nach 18 Jahren noch nicht ganz lösen, doch eines ist gewiss: Nun wird alles ans Licht kommen. In einer Zeit, in denen DNA-Tests noch nicht existierten, sprach man das kleine Mädchen den Vitrals zu und sie wuchs als Emilie auf, ihren Bruder Marc immer an ihrer Seite. Doch die Gefühle zwischen ihnen gehen tief, tiefer als es bei Geschwistern sein sollte. Auch Malvina der Carville ist nach all den Jahren davon überzeugt, dass Emilie in Wirklichkeit ihre Schwester Lyse-Rose sein muss. So wollen beide Familien wollen die Wahrheit erfahren, um nach langen 18 Jahren endlich wieder ihren Seelenfrieden zu finden … 

„Das Mädchen mit den blauen Augen“ ist ein französischer Roman voller Drama und Katastrophen, Toten, Pistolengefuchtel und immer neuen Rätseln, die sich in das ganz große Mysterium um Lylies (eine Mischung der Namen Lyse-Rose und Emilie) Identität einfügen. Das große Plus des neuen Romans von Bussi ist eindeutig die Spannung. Die handlungsreiche Gegenwart, in der Emilie verschwindet ohne, dass der Leser weiß warum und in der Marc und Malvina sich selbst auf die Suche nach Antworten machen, verschränkt sich wirkungsvoll mit der erklärenden Vergangenheit, den Notizen des Privatdetektiven, die dem Leser erklären, worum es geht und was bislang bekannt ist. Der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar, die Sätze sind kurz und die Metaphern sparsam. Außerdem ist Bussi ein wahrer Meister darin, wenn es darum geht, seine Leser „bei der Stange zu halten“, die Spannungskurve des Romans ist wohl konstruiert, worin sich zugleich auch eine Schwäche versteckt: Denn konstruiert wirkt der Roman allemal. 

Die Handlung ist rasant, spielt sich größtenteils in innerhalb von zwei Tagen ab. Bussi konzentriert sich sehr darauf, die einzelnen Fäden des Rätsels zu weben und zu bündeln, vernachlässigt dabei allerdings alles, was nicht strikt handlungsorientiert ist. Da wäre zum Beispiel die Charakterausgestaltung, die bei jeder Figur etwas zu mager gerät oder in Klischees abschweift. So stutzt der Leser doch bei manchen Stellen und verdreht innerlich die Augen, wenn er liest, dass Lylie Klavierspiel, Kunst und Literatur liebt, was dem Autor offensichtlich als Anhaltspunkt dafür dient, Zweifel daran zu streuen, dass sie den armen Vitrals entstammt. Die Figuren Bussis sind im Grunde nur Stereotypen, die als solche erkannt werden wollen – hier mangelt es an Authentizität und Vielseitigkeit, was sehr schade ist. Wer den Klappentext liest und das Porträt eines Mädchens, das auf der Suche nach sich selbst ist, erwartet, der findet in diesem Buch nicht das, was er sucht. Bussi hat eher eine Kriminalgeschichte als einen Roman geschrieben. Eine Kriminalgeschichte, in der es darum geht, eine Wahrheit ans Licht zu bringen, bei der die Beteiligten auch über Leichen gehen. 

Emotionales Feingefühl beweist er nicht, was seine Figuren anbelangt, wohl aber für den Leser, der das Buch nicht aus der Hand legen mag, bis er gemeinsam mit Marc, Grand-Duc und Malvina alle Rätsel gelöst hat und endlich Klarheit hat. „Das Mädchen mit den blauen Augen“ ist ein Buch, das ganz klar unterhalten und weniger zum Denken anregen soll. Bei diesem empfehlenswerten Lesespaß (denn das ist es zweifelsohne!) ist Mitfiebern angesagt!






Vier ungewöhnliche Frauen und ihr Weg ins Leben




Commencement
J. Courtney Sullivan
Vintage-Verlag
10,90 €

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Auf dieses Buch stieß ich, als ich mich in einer französischen Buchhandlung nach einer Lektüre umsah, die mein französisches Textverständnis aufbessern würde. Obwohl ich wusste, dass die Autorin Amerikanerin ist und das Buch somit nur eine Übersetzung war, zog es mich so magisch an, dass ich es einfach kaufen musste. 

In "Commencement", bzw. "Les débutantes" auf Französisch, geht es um vier junge Frauen Mitte zwanzig: Bree, Celia, April und Sally. Kennen und lieben gelernt haben sie sich im Smith College, einer Hochburg feministischer Kultur. Denn: Das Smith College wird nur von jungen Frauen besucht. Mittlerweile haben sie längst die Seifenblase des Colleges verlassen, gehen ihre eigenen Lebenswege und bemühen sich, ihre Freundschaft aufrechtzuerhalten, was manchmal gar nicht so leicht ist. Es ist Sallys Hochzeit, die alle vier räumlich wieder zusammenbringt. Und als eine von ihnen verschwindet, finden sie auch in ihren Herzen wieder zueinander ...

Mich hat der Klappentext sehr an das Jugendbuch "Eine für vier" erinnert, das mich seinerzeit völlig in seinen Bann zog und wohl auch der Grund dafür ist, dass ich bei "Les débutantes" so schnell zugriff. Bereut habe ich den Kauf keineswegs! DIe Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der vier Protagonistinnen erzählt. Je nach Perspektive erfährt man einiges über das aktuelle Leben der jungen Frau und ihrer Vergangenheit. So erfährt man nach und nach, woher die vier kommen, wie sie sich kennen gelernt haben und was sie zusammen erlebt haben, immer vermischt mit dem aktuellen Geschehen. Zugegeben: Die langen Rückblenden sind hauptsächlich im Erzählerbericht geschrieben und wenig lebhaft, man muss schon weiterlesen wollen. Das Buch hat seine Längen, für 543 Seiten passiert (effektiv) relativ wenig. Zwischenzeitlich habe ich es auch beiseite gelegt, da ich der Meinung war, wirklich genug von der Vergangenheit der Protagonistinnen erfahren zu haben, ich fragte mich, wann die eigentliche Handlung einmal voranschreiten würde. Für diese Schwäche gibt es auch leider einen großen Abzug.

Handlungsstruktur, das ist nicht wirklich Sullivans Stärke - aber sie schafft es, Bilder vor dem inneren Auge des Lesers entstehen zu lassen. Man flaniert mit den Mädchen über den Campus, läuft durch das Refektorium und den Korridor mit den zahlreichen offenen Zimmertüren, die den Leser einladen, einzutreten und seine Bewohner kennenzulernen. Sullivan berichtet uns durch die vier Mädchen nicht nur von Zweifeln und Ängsten junger Frauen Mitte zwanzig, sie hebt das Ganze auf eine höhere Ebene. Sie erzählt von Feminismus und dessen Ausprägungen, von Greueltaten, die gegen Frauen verübt werden, vom dadurch verursachten Leid überall in der Welt, von Homosexualität und deren Nicht-Akzeptanz, von unterschiedlichen Lebensentwürfen, Tabubruch, Risiken und Gefahren. Ihr gelingt es, ihren Charakteren Authentizität zu verleihen. Klischees finden sich durchaus auch in "Les débutantes" wieder, doch werden sie auch als solche von den Protagonistinnen erkannt und ironisiert. 

Spannend ist dieses Buch nicht. In vielerlei Hinsicht ist es vorhersehbar. Aber darum geht es auch nicht: Neben seinem informativen Charakter soll das Buch vor allem die unterschiedliche Lebenswege/-entwürfe von vier Frauen darstellen, denen ein gemeinsames Streben nach Unabhängigkeit zugrundeliegt. Gerade junge Frauen sollen dabei zum Denken angeregt werden. Ich persönlich fand es horizonterweiternd und lesenswert, kann es also nur empfehlen.







Irgendwann holt dich die Vergangenheit immer ein ...


Wir in drei Worten
Mhairi McFarlane
Knaur TB-Verlag
9,99 €

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Oh. Mein. Gott. Das ist er. Aus meiner Erinnerung hervorgeholt und nun in echt, in Farbe und HD direkt vor mir. Er trägt sein Haar nicht mehr ganz so kurz geschnitten wie an der Uni, aber immer noch kurz genug, um als jobtauglich durchzugehen. Seine unverkennbaren Gesichtszüge versetzen mich sofort ein Jahrzehnt zurück. Caroline hat recht – bei seinem Anblick stockt einem immer noch der Atem. 

Seit ihrem Uniabschluss haben sich Rachel und Ben, ehemals beste Freunde, nicht mehr gesehen – das ist zehn Jahre her. Dann aber steht er plötzlich vor ihr – humorvoll, gutaussehend und verheiratet. Keiner von ihnen spricht an, was in der Nacht vor ihrem Abschlussball zwischen ihnen passiert ist. Ansonsten ist alles wieder so wie früher, jedenfalls fast. Unterdrückte Gefühle bahnen sich langsam ihren Weg an die Oberfläche, je mehr sie wieder miteinander zu tun haben … und dann ist da ja auch noch Bens Frau und Rachels Unsicherheit …

Eigentlich bin ich ja gar nicht die klassische Liebesroman-Leserin. Wenn ich es tue, dann habe ich häufig viel zu kritisieren, aber Mhairi McFarlanes Buch war für mich eine schöne Überraschung: Es ist nicht kitschig, aber durch und durch romantisch. Ein weiterer Pluspunkt ist der eigenartige, unverkennbar britische Humor, der sich immer wieder in den schlagfertigen Dialogen der Figuren wiederfindet. Darüber hinaus begegnet der Leser auf seinem Weg durch das Buch zahlreichen kulturellen Anspielungen auf Bücher, Filme oder auch bekannten Persönlichkeiten. 

Die Hauptfigur Rachel hat mir besonders gut gefallen, man konnte sich mit ihr identifizieren. Zugegeben, ich fand es allein schon sympathisch, dass sie nicht als überirdisch schön und schlank beschrieben wird. Sie ist auch kein Karriereweib wie ihre Kollegin, die auf ihrem Weg zur Spitze über (Ruf-)Leichen geht. Allerdings ist sie auch kein hohes Vorbild an Moral. Sie lügt zum Selbstschutz. Eiskalt. Wie jeder normale Mensch es auch tun würde. Sie hat eine leicht verzerrte Selbstwahrnehmung. Rachel ist einfach eine normale, sympathische junge Frau, die gewisse Zweifel und Ängste hat und keine Freundin von gewichtigen Entscheidungen ist. Nein, Rachel ist kein „einwandfreier“ Charakter, sie hat Ecken und Kanten. Sie wirkt authentisch. 

Vielerorts wird kritisiert, dass das Ende zu vorhersehbar ist und jeder, der diese Bemerkung liest, kann sich also nach einem Blick auf das Cover und die zwei Namen im Klappentext denken, wie es endet. Lohnt es sich also nicht, das Buch zu lesen? Doch, es lohnt sich. Hier ist der Weg wirklich das Ziel. Zwei Menschen, die einander lange kennen und sich offiziell nur freundschaftlich verbunden waren, treffen wieder aufeinander. Das Buch erzählt ihre Vergangenheit und ihre ungleich kompliziertere Gegenwart. Aber es geht nicht nur um Rachel und Ben. 

Ich persönlich habe aus dem Buch doch ein wenig mehr mitgenommen als das Gefühl, gut unterhalten worden zu sein. Mit viel Scharfsinn kritisiert Mhairi McFarlane auch ein wenig die heutige Gesellschaft und wie die Vorstellung von Liebe und Ehe oft im Widerspruch zur Realität steht. Besonders lesenswert ist hierbei die Szene, in der Rachel zu Gast bei Ben und Olivia ist und sich am Abendtisch über die pikanten Themen des Heiratens, Kinderkriegens und unterschiedlicher Lebensentwürfe unterhalten wird. Rachel kann sich als 31-Jährige dem Druck der Gesellschaft sichtbar nicht ganz entziehen: Sie sollte heiraten, Kinder kriegen, glücklich werden. Aber so einfach ist das alles nicht. „Wir in drei Worten“ zeigt dem Leser, wie das Leben eben manchmal so spielt. Aber auch, dass es für Hoffnung nie zu spät ist.






Wir gehen unter die Blogger!

Herzlich Willkommen auf Plattform 9 ¾, unserem neuen Bücher- und Filmblog!

Glückwunsch, du hast es geschafft, du hast die magische Absperrung passiert und befindest dich jetzt am Gleis 9 ¾. Alle einsteigen, bitte! Der Hogwarts Express fährt in weniger als drei Minuten ab und wird euch in unsere Welt aus Büchern, Filmen, Rezensionen und mehr bringen. Wir wünschen eine angenehme Fahrt und viel Spaß beim Stöbern in unseren Abteilen!

Vorab sei gesagt: Ja, wir wissen, dass es „Platform 9 ¾“ in der englischen Version von „Harry Potter“ heißt und ja, wir wissen, dass die korrekte Bezeichnung im Deutschen „Gleis 9 ¾“ lautet, aber – haha! – unser Blogname beinhaltet ein (pseudo-)cleveres Wortspiel! Dieser Blog stellt unsere eigene Internetplattform dar, auf der wir unsere Meinungen zu Büchern und Filmen präsentieren und untereinander austauschen (gerne auch mit Lesern unseres Blogs!). Daher: Plattform mit 2 T!  Wer denkt dabei als treuer Harry Potter-Fan, der des Englischen mächtig ist, nicht direkt an das magische Gleis in Harry Potter, „Platform 9 ¾“, besonders wenn er schon dort stand?

Erst vor zwei Monaten entdeckten wir nach und nach die Welt der Bücherblogs und des Social Readings, waren natürlich hellauf begeistert und wollten selbst Teil davon werden. Hier sind wir, das „Goldene Trio“ des Blogs: Madame Greenified (unter gleichem Namen, aber ohne Leerzeichen auch auf LovelyBooks), die einzigartige DesiLilly (genau so auf LovelyBooks) und Glücksbärchi (auch auf LovelyBooks, aber ohne Umlaute). Ein bisschen mehr erfahrt ihr über uns in der Kategorie „Das Goldene Trio“.

Was den Blog anbelangt, so können wir sagen, dass wir versuchen möchten, ein möglichst großes Spektrum an Filmen und Büchern zu rezensieren. Dabei legen wir uns nicht auf bestimmte Genre oder nur Neuerscheinungen fest. Wir rezensieren sowohl neue als auch alte Bücher & Filme, eben all das was uns interessiert und anspricht. :)
Wir freuen uns über Kommentare, viel Spaß bei uns!

Mind the Gap!