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Freitag, 21. November 2014

Was will er von mir? Wie konnte ich das zulassen? Werde ich sterben?

vergissdeinnicht
(Jugend)Roman
Cat Clarke
Lübbe paperback
Erscheinungsjahr: 2012
Verlag | Amazon 

"Ich traf Ethan in der Nacht, in der ich mich umbringen wollte. Ziemlich unpassend, wenn man so drüber nachdenkt."

Das Buch „vergissdeinnicht“ ist ein Roman (um genauer zu sein ein Jugendroman) von der britischen Autorin Cat Clarke aus dem Jahr 2012. Was mich dazu bewegt hat, das Buch zu kaufen war, a) dass es ein preisgünstiges Mängelexemplar war b) dass mich der Klappentext ziemlich angesprochen hat und eine interessante Geschichte versprochen hat und c) dass ich das Wortspiel im Titel ganz witzig fand und es mich neugierig gemacht hat.

In dem Buch geht es um Grace, eine 17-jährige Schülerin aus Großbritannien. Zu Beginnn der Geschichte wacht sie in einem weißen Raum auf und weiß nicht, wie sie dort hingekommen ist. Wurde sie von dem mysteriösen Ethan entführt, der ihr Essen, Kleidung und alles Lebensnotwendige vorbeibringt? Grace weiß nicht, ob sie wieder aus diesem weißen Zimmer herauskommt und beginnt zu schreiben. Je mehr Zeit sie dort verbringt, desto mehr schreibt sie, über ihre beste Freundin Sal, über ihren ersten richtigen Freund Nat, über ihre Mutter, die sich so gar nicht wie eine Mutter benimmt und eigentlich nie zu Hause ist und über ihr Leben. Nach und nach wechseln sich die Episoden immer ab, in denen Grace einerseits von ihrem Leben erzählt und andererseits von der Zeit im weißen Zimmer mit dem weißen Bett, dem weißen Schlafanzug und den weißen Handtüchern.

So lernt der Leser mit der Zeit immer mehr über Grace und ihr Leben und sehr schnell stellt man sich einige Fragen. Was ist das Geheimnis von Sal und warum will sie Grace nicht davon erzählen? Was ist mit Grace' Vater passiert und wieso verhält sich ihre Mutter so lieblos und desinteressiert? So viel sei gesagt: am Ende des Buches erhält der Leser antworten, wenn auch vielleicht nicht so, wie man sich das eigentlich vorgestellt hat.

Das Buch lässt sich sehr gut lesen und hat etwas an sich, dass man es einfach nicht aus der Hand legen möchte. Dadurch dass es innerhalb der Geschichte einige ungeklärte Dinge gibt, möchte man als Leser diesen Dingen natürlich auf den Grund gehen. Was den Schreibstil der Autorin angeht, würde ich dieses Buch persönlich empfehlen. Was den Inhalt und den Aufbau der Geschichte angeht, hatte ich ehrlich gesagt etwas anderes erwartet. Im Laufe der Geschichte bekommt man eine Ahnung, worauf das ganze schlussendlich herauslaufen wird, was etwas schade ist, wie ich finde. Die Auflösung am Schluss kam trotzdem überraschend, ich hatte dann doch nicht so wirklich damit gerechnet, was es mit Sals Geheimnis auf sich hat. Jedoch kam das Ende für mich etwas zu plötzlich, und meiner Meinung nach hätte man noch einige Seiten hinten dran hängen können. Es ist ein relativ offenes Ende (jedoch mit einem klaren Ausblick) und jeder der so etwas nicht so gerne mag, sei hiermit schon mal davon in Kenntnis gesetzt!

Alles in allem war das Buch ganz angenehm zu lesen, es beinhaltete allerdings meiner Meinung nach vielleicht ZU viele verschiedene (auch teilweise ernste) Themen. Die Hauptperson, Grace, ist auf jeden Fall eine gut beschriebene Figur mit vielen Facetten, jedoch ist das meiner Meinung nach nicht bei allen Nebenfiguren auch so gut geglückt.  



Mittwoch, 30. Juli 2014

Die Vergangenheit hinter sich lassen

Wie ein Licht in der Nacht
Nicholas Sparks
Roman
Erscheinungsjahr: 2011
Heyne Verlag
Amazon


Wenn man den Klappentext des Buches ließt, bekommt man den Eindruck, dass es sich bei diesem Roman um einen sehr typischen Nicholas Sparks Roman handelt. Dieser Eindruck ist auch nicht ganz falsch, aber dazu später mehr. In dem Buch geht es um Katie, sie ist neu in dem kleinen Städtchen Southport und niemand weiß so wirklich etwas über sie. Die junge Frau ist verschlossen und gibt nicht viel von sich Preis, offenbar hütet sie ein Geheimnis. Als sie Alex (verwitwet und Vater von zwei Kindern) kennen lernt, beginnt sich nach und nach ihre Schutzmauer abzubauen und sie fasst Vertrauen zu ihm. Im Verlauf der Geschichte erfährt der Leser nach und nach mehr über Katies Vergangenheit und den Grund, warum sie so verschlossen ist.

Da ich schon ein paar Romane von Nicholas Sparks gelesen habe, fand ich den Plot dieser Geschichte doch auf der einen Seite sehr typisch für seine Bücher. Auf der anderen Seite hat aber dieser spezielle Roman etwas Besonderes an sich, wie ich finde. Man bekommt schon relativ zu Beginn des Buches eine Vermutung, wobei es sich bei Katies „Geheimnis“ handelt, recht schnell bekommt der Leser auch eine Vorstellung darüber, wie das Buch enden könnte. Nichtsdestotrotz ist das Buch sehr spannend aufgebaut. Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen und hatte es innerhalb kürzester Zeit ausgelesen, was verdeutlicht, wie spannend es war! Durch dieses Spannungselement unterscheidet sich dieser Roman meiner Meinung nach von den anderen Nicholas Sparks Romanen, die ich bisher schon gelesen habe. Die Charaktere wirken sehr genau ausgearbeitet und werden detailliert beschrieben, es wird eine Atmosphäre geschaffen, auf die man sich als Leser sehr gut einlassen kann.


Zum Schluss kann ich nur sagen, dass ich dieses Buch auf jeden Fall weiterempfehlen würde. Jeder, der schon Nicholas Sparks Romane kennt, aber auch wer noch keines kennt, sollte dieses Buch lesen. Es ist kein Buch, das nur Friede, Freude Eierkuchen verspricht, denn es behandelt eine sehr ernste Thematik. Auf der anderen Seite ist es aber voller Leichtigkeit geschrieben und lässt sich einfach total gut lesen.  



Sonntag, 27. Juli 2014

In Richtung Walachei...

tschick
(Jugend)Roman
Wolfgang Herrndorf
Rowohlt Berlin 
Erscheinungsjahr: 2010
Amazon

"Ich konnte Tschick von Anfang an nicht leiden. Keiner konnte ihn leiden. Tschick war ein Asi, und genauso sah er auch aus."

Es geht um Maik Klingenberg, 14-jähriger Schüler aus Berlin. Die Mutter ist Alkoholikern, der Vater schwer beschäftigt und Freunde hat Maik eigentlich keine so wirklich. Kurz vor den Sommerferien kommt der Neue in die Klasse, der Junge mit dem unaussprechlichen Namen einfach mal kurz Tschick genannt. Die Sommerferien hätten für Maik sicherlich sehr langweilig werden können, doch dann stand plötzlich Tschick vor seiner Tür, mit einem geklauten Auto und lädt Maik ein, mit ihm mit zu kommen. Die chaotische und aufregende Reise kann beginnen!

Ich hatte im Vorfeld schon einiges Gutes(!) über das Buch gehört, und habe es dann jetzt auch endlich mal gelesen. Innerhalb von drei Tagen hatte ich es dann durch, wobei man es auch sicherlich an einem Stück hätte lesen können! Ja, man muss sich an den Schreibstil gewöhnen, denn es wird aus der Perspektive von Maik erzählt. Maik ist ein Teenager und deshalb ist das Buch auch mehr oder weniger in einer Jugendsprache verfasst. Man gewöhnt sich aber dran und es lässt sich wirklich sehr gut lesen. Das Buch ist lustig. Es gibt sogar viele lustige Szenen, meiner Meinung nach, oft muss man bei einer komischen Beschreibung einfach mal grinsen und das macht das Buch auch aus. Maiks Gedanken sind manchmal wirr und ziemlich bizarr, er nennt die Dinge beim Namen und nimmt kein Blatt vor den Mund. Manchmal könnte man den Eindruck bekommen, dass man es gar nicht mit einem 14-jährigen Jungen zu tun hat, doch dann gibt es immer wieder die Augenblicke in denen man daran erinnert zurück erinnert wird. Maik und Tschick sind ein total gutes Team, eigentlich haben die beiden nichts so wirklich gemeinsam, meint man zumindest auf den ersten Blick. Die beiden Jungs kennen sich überhaupt nicht, doch dann befinden sie sich plötzlich in dem geklauten Auto, fahren über Stock und Stein und erleben einfach jede Menge Unsinn! Es passieren so viele komische, verrückte und liebenswerte Dinge, dass man sich erhofft, die Reise der beiden möge bitte niemals enden!


Tschick ist also ein Buch über Freundschaft, Familie, Lebenslust über das Erwachsenwerden und noch viel mehr. Ich würde das Buch an jeden weiterempfehlen, der Lust auf eine amüsante und verrückte Geschichte voller Abenteuer und origineller Begegnungen hat.



Sonntag, 4. Mai 2014

You have to know who you are, and what you are.

Alles, was wir geben mussten
(Never let me go)
Erscheinungsjahr: 2010
Drama, Buchverfilmung
Carey Mulligan, Keira Knightley, Andrew Garfield
Trailer


Der Film „Alles, was wir geben mussten“ (Im Original: Never let me go) ist ein Drama/Science-Fiction/Dystopie Film aus dem Jahr 2010. Die Geschichte wird von Kathy H. (Carey Mulligan) in einer Rückblende erzählt. Die mittlerweile erwachsene Frau erzählt von ihrer Kindheit im Internat Hailsham. Die Kinder bekommen dort alles was sie brauchen und es wird stets sehr genau auf deren Gesundheit geachtet. Kathy erzählt vom Beginn ihrer Freundschaft mit Tommy, ein Junge, der oft von seinen Mitschülern gehänselt und ausgelacht wird. Kathy hänselt Tommy jedoch nicht und so freunden sie sich an. Doch Kathys Freundin Ruth scheint aufgrund dieser Entwicklung eifersüchtig zu werden und schließlich werden Tommy und Ruth ein Paar, was Kathy wiederum sehr traurig macht. Eines Tages erfahren die Kinder von ihrer Lehrerin die Wahrheit über ihr Leben und ihre Zukunft. Alle Kinder im Internat dienen einem bestimmten Zweck und werden niemals ein „normales“ Leben führen.

Mit 18 Jahren verlassen die drei das Internat und ziehen in ein ruhiges Bauerndorf, dort wohnen sie mit anderen jungen Männern und Frauen zusammen und kommen erstmals richtig in Kontakt mit der „Außenwelt“. Ruth und Tommy sind immer noch ein Paar, Kathys Hoffnung, dass sich die beiden im Laufe der Zeit trennen, hat sich nicht erfüllt.

Durch den Erzählstil bekommt der Film eine ganz persönliche Note und man identifiziert sich von Anfang an mit der kleinen Kathy. Carey Mulligan spielt die Rolle der erwachsenen Kathey natürlich richtig gut, aber auch die junge Version ihrer selbst (gespielt von Izzy Meikle-Small) ist definitiv erwähnenswert. Man taucht in das Leben der drei Hauptfiguren ein, welches immer wieder durch Zeitsprünge unterbrochen wird aber trotzdem durchgehend erzählt wird. Das Thema des Films ist erschreckend und tragisch und mehr als einmal möchte man die Hauptperson Kathy an der Schulter packen und sie fragen, warum sie das alles geschehen lässt, warum sie nicht nach einem Ausweg such, warum NIEMAND nach einem Ausweg sucht. Das unausweichliche Ende des Films möchte man lange Zeit nicht wahrhaben, dennoch ist es unabwendbar.

Mir persönlich hat der Film gut gefallen, er war in der Grundtendenz schon an einigen Stellen vorhersehbar, allerdings kurzweilig, einfach gut erzählt durch die tolle Besetzung. Es ist ein Film, der nicht glücklich, sondern nachdenklich macht.




Dienstag, 8. April 2014

The Bachelor goes royal


Kiera Cass
Selection 
Fischer Sauerländer-Verlag
19,99€



35 Mädchen. Eine Krone. Die Chance ihres Lebens. Die Chance ihres Lebens, das ist das Casting, bei dem am Schluss eine von ihnen erwählt wird, Prinz Maxon, Thronfolger des Staates Illéa, zu heiraten. America Singer ist eigentlich glücklich und doch heimlich vergeben an den jungen Aspen, der einer niedrigeren Kaste als der ihren entstammt. Er ist es, der sie ironischerweise dazu drängt, an dem Casting teilzunehmen und siehe da: America kommt unter die 35 Auserwählten, die in den Palast ziehen und Prinz Maxon kennenlernen dürfen. Zunächst bietet sie sich ihm nur als Beraterin und Freundin an, doch dann entwickelt America trotz guter Vorsätze Gefühle für den schmucken Prinzen. Wird sie sein Herz für sich gewinnen und das Casting gewinnen? Liebt sie Maxon tatsächlich? Wird sie auf Aspen verzichten? 

Seit den Hungerspielen wird der Markt überschwemmt von Dystopien bzw. einem Mix aus Dystopien und Utopien, immer verbunden mit einer latenten Medienkritik, was das Ganze noch interessant macht. Der erste Band von Selection stützt sich auf ein sehr einfaches Konzept: Es geht um einen Wettbewerb, eigentlich wie bei den Tributen. Nur geht es hier nicht um Leben und Tod, sondern um das Herz des schönen Prinzen. Es erinnert an diese moderne Fernsehsendung „The Bachelor“, gleichzeitig hat Selection aber einen märchenhaften Touch: Da ist von Prinzen und Prinzessinnen, schönen Kleidern und Benimmregeln die Rede. Vielleicht habe ich zu viele feministisch angehauchte Bücher in letzter Zeit gelesen, aber ich komme nicht so richtig damit klar, dass sich 35 Mädchen wirklich auf den Weg machen, um um das Herz eines Typen, den sie gar nicht kennen, zu battlen. Und mal ehrlich, wer will denn heutzutage noch eine Prinzessin sein? Vielleicht an Karneval, aber all die Medienaufmerksamkeit und Pflichten, die man als Royal hat, sind mehr eine Last als ein Vergnügen. Wer würde schon wirklich gerne mit Herzogin Kate tauschen? 

Nun gut, aber das Lager der glorreichen 35 spaltet sich ohnehin in jene auf, die den Prinzen wollen, jene, die den Ruhm und die Macht wollen und schließlich noch jene, die mit der Aufwandsentschädigung für das Casting die Daheimgebliebenen ernähren wollen – alles eine Frage der Kaste, in die man geboren wurde. Sympathisch war mir also America durchaus, die zwar anfangs ein wenig allzu vehement damit beschäftigt war, Aspen dazu zu verführen, ihr einen Heiratsantrag zu machen, aber später in Maxons Gegenwart doch ein bisschen Frauenpower gezeigt hat: Sie gehört zur Sparte der schönen, aber temperamentvollen Protagonistinnen, die ihrem Herz folgt und sagt, was sie denkt. Ihre Emotionalität scheint ihre Schwäche zu sein, letztlich ist aber auch das eine verkappte Stärke. Nach einem vielschichtigen Charakter muss man also hier nicht suchen, America bleibt wie Aspen und Maxon im Grunde stereotypisch. Stereotypisch, aber wie gesagt nicht unsympathisch!

Eigentlich muss man großzügig sein mit Büchern dieser Art. Die Geschichten sind vorhersehbar, aber ganz nett und obwohl man weiß, dass sie sich früher oder später doch in Maxon verliebt, fiebert man doch mit. Für ein paar Stunden garantiert Selection durchaus Lesespaß, man will ja wissen, wie es ausgeht. Allerdings kann ich über die „Aufreger“ nicht ganz hinwegsehen. Wieso sieht der blöde Prinz nicht, was für eine intrigante Schlange Celeste (auch stereotypisch) ist? Wieso vertraut America ihm so früh an, dass sie doch etwas für ihn empfinden könnte? Wieso spricht sie nicht mehr mit Aspen, als er wieder in ihr Leben zurückkehrt? Warum zur Hölle fangen praktisch alle Mädchen außer America immer an zu weinen, wenn die Rebellen angreifen? Wieso fangen sie an zu weinen, wenn sie hören, dass bald welche aus dem Casting rausfliegen? Schön, schön, man kennt es ja von all den Castingsendungen à la Germany’s next Topmodel, aber auch da frage ich mich häufig: Wo bleibt da die Würde? Und dabei geht es ja wenigstens um den Aufbau der eigenen Karriere, hier geht es „nur“ um einen Mann, den sie alle nicht richtig kennen, geschweige denn lieben können. Hier, eines meiner "Lieblings"zitate in dem Zusammenhang:
"Und Lady America." Maxon schaute zu mir, und ich spürte, wie sich jeder Muskel in meinem Körper entspannte. Tiny fing sofort an zu weinen, und sie war nicht die Einzige. Maxon stieß einen lauten Seufzer aus. 

Die Storyline von Selection gäbe durchaus Stoff für ein bisschen wohlplatzierte Kritik an unserer eigenen Medienlandschaft, aber das verpasst die Autorin hier, zu konzentriert ist sie auf eine strikte Handlungsfortführung und das Liebesdreieck. 

Jugendbücher müssen nicht immer nur für Jugendliche sein, aber Selection ist in der Tat doch eher nur ein Buch für die Jugend. Da es einen aber doch ein wenig unterhält und amüsiert, vergebe ich zwei Sterne – manchmal macht es auch Spaß, etwas zu lesen, worüber man sich später leidenschaftlich aufregen kann.






Bittersüße Loyalität - ein schmerzhaft-schöner Abschluss der Trilogie!



Clockwork Princess: Chroniken der Schattenjäger 3
Cassandra Clare
Arena Verlag (September 2013)
19,99 €



„Ich werde dich nicht endgültig verlassen, Will. Wenn du kämpfst, werde ich immer noch bei dir sein. Wenn du durch diese Welt gehst, werde ich das Licht an deiner Seite, der feste Boden unter denen Füßen sein und die Kraft, die das Schwert in deiner Hand führt. Wir sind miteinander verbunden, über den Eid hinaus.“


Es ist die magische und zugleich so menschliche Freundschaft von Will und Jem, die die „Chroniken der Schattenjäger“ zu etwas Besonderem macht und ihr sogar ein wenig Weisheit verleiht. Nichts kann diese beiden jungen Männer auseinanderbringen: Nicht der Fluch, von dem Will glaubte belegt zu sein, nicht Jems Yin Fen-Sucht, die ihn schwächt, nicht die Liebe zu dem gleichen Mädchen, ja nicht einmal der Tod. Loyalität spielt immer eine Rolle in ihren Büchern, doch in der Verbindung von Will und Jem enfaltet sich dieser Wert auf eine beeindruckende Art und Weise - geradezu magisch. 

Im letzten Band der Trilogie Cassandra Clares, die im London des 19. Jahrhunderts spielt, geht es nicht nur um den finalen Kampf gegen den Magister Mortmain, dessen Klockwerkarmee zahlreicher und gefährlicher ist denn je. Es geht auch um Freundschaft und Liebe, Loyalität und Verlangen - Werte und Gefühle, die an Intensität nicht mehr zu überbieten sind. Cassandra Clare ist es gelungen, die Dreiecksliebe zwischen Tessa, Will und Jem über drei Bände hinweg glaubwürdig zu konstruieren, zu entwickeln und nun aufzulösen – eine Auflösung, deren volles Ausmaß man nicht mal dann kennt, wenn man den Fehler gemacht hat, den Cover-Umschlag vom Buch zu lösen und sich vom innen abgedruckten Stammbaum spoilern zu lassen. Um die Schönheit von Cassanda Clares Magie zu verstehen, muss man das Buch schon ganz gelesen haben!

Plätscherten die ersten 200 Seiten noch ein wenig ziellos dahin (so fragte ich mich doch lange, welche Bedeutung der Episode um den Dämonen-Wurm Mr. Lightwood zukam), gelang es Cassandra Clare, den restlichen 400 Seiten eine besondere Spannung zu verleihen, bei der der Leser wusste: Die Chroniken der Schattenjäger steuern auf ihren Höhepunkt zu. Wie in jedem ihrer Bücher hat sie dabei wieder einmal das Talent bewiesen, Kampfszenen anschaulich und so kurzweilig zu beschreiben, dass sogar Menschen, denen an Action nichts liegt, hungrig die betroffenen Seiten verschlingen. Wie so häufig quält sie auch in diesem Band ihre Figuren nicht nur emotional, sondern auch existenziell: Irgendwann ist man auch als Leser, der sich um das Wohlergehen seiner geliebten Schattenjäger sorgt, an dem Punkt, an dem er denkt. „Es kann nicht mehr schlimmer werden!“ Doch man sollte dabei stets den Spruch „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“ beherzigen, was Cassandra Clare tut und ein fulminantes Kampffinale beschreibt, das man in dieser Zusammensetzung so nicht erwartet hat.

Alles in allem bin ich sehr glücklich mit dem Abschluss der Trilogie, denn es ist ein stimmiges, rundes Ende. Das ist auch der Grund, warum ich froh bin, dass dies auch wirklich der letzte Band der Reihe ist und sie nicht noch weitere Bände dazu schreibt. Denn obwohl ich ein Fan von ihrem süffigen Schreibstil bin, so denke ich doch, dass ihre andere Buchreihe rund um Clary, Jace und Co nach dem dritten Band hätte enden sollen. Dann wäre es vielleicht so schmerzhaft-schön geblieben wie bei der Clockwork Princess.







Irgendwann holt dich die Vergangenheit immer ein ...


Wir in drei Worten
Mhairi McFarlane
Knaur TB-Verlag
9,99 €

Amazon



Oh. Mein. Gott. Das ist er. Aus meiner Erinnerung hervorgeholt und nun in echt, in Farbe und HD direkt vor mir. Er trägt sein Haar nicht mehr ganz so kurz geschnitten wie an der Uni, aber immer noch kurz genug, um als jobtauglich durchzugehen. Seine unverkennbaren Gesichtszüge versetzen mich sofort ein Jahrzehnt zurück. Caroline hat recht – bei seinem Anblick stockt einem immer noch der Atem. 

Seit ihrem Uniabschluss haben sich Rachel und Ben, ehemals beste Freunde, nicht mehr gesehen – das ist zehn Jahre her. Dann aber steht er plötzlich vor ihr – humorvoll, gutaussehend und verheiratet. Keiner von ihnen spricht an, was in der Nacht vor ihrem Abschlussball zwischen ihnen passiert ist. Ansonsten ist alles wieder so wie früher, jedenfalls fast. Unterdrückte Gefühle bahnen sich langsam ihren Weg an die Oberfläche, je mehr sie wieder miteinander zu tun haben … und dann ist da ja auch noch Bens Frau und Rachels Unsicherheit …

Eigentlich bin ich ja gar nicht die klassische Liebesroman-Leserin. Wenn ich es tue, dann habe ich häufig viel zu kritisieren, aber Mhairi McFarlanes Buch war für mich eine schöne Überraschung: Es ist nicht kitschig, aber durch und durch romantisch. Ein weiterer Pluspunkt ist der eigenartige, unverkennbar britische Humor, der sich immer wieder in den schlagfertigen Dialogen der Figuren wiederfindet. Darüber hinaus begegnet der Leser auf seinem Weg durch das Buch zahlreichen kulturellen Anspielungen auf Bücher, Filme oder auch bekannten Persönlichkeiten. 

Die Hauptfigur Rachel hat mir besonders gut gefallen, man konnte sich mit ihr identifizieren. Zugegeben, ich fand es allein schon sympathisch, dass sie nicht als überirdisch schön und schlank beschrieben wird. Sie ist auch kein Karriereweib wie ihre Kollegin, die auf ihrem Weg zur Spitze über (Ruf-)Leichen geht. Allerdings ist sie auch kein hohes Vorbild an Moral. Sie lügt zum Selbstschutz. Eiskalt. Wie jeder normale Mensch es auch tun würde. Sie hat eine leicht verzerrte Selbstwahrnehmung. Rachel ist einfach eine normale, sympathische junge Frau, die gewisse Zweifel und Ängste hat und keine Freundin von gewichtigen Entscheidungen ist. Nein, Rachel ist kein „einwandfreier“ Charakter, sie hat Ecken und Kanten. Sie wirkt authentisch. 

Vielerorts wird kritisiert, dass das Ende zu vorhersehbar ist und jeder, der diese Bemerkung liest, kann sich also nach einem Blick auf das Cover und die zwei Namen im Klappentext denken, wie es endet. Lohnt es sich also nicht, das Buch zu lesen? Doch, es lohnt sich. Hier ist der Weg wirklich das Ziel. Zwei Menschen, die einander lange kennen und sich offiziell nur freundschaftlich verbunden waren, treffen wieder aufeinander. Das Buch erzählt ihre Vergangenheit und ihre ungleich kompliziertere Gegenwart. Aber es geht nicht nur um Rachel und Ben. 

Ich persönlich habe aus dem Buch doch ein wenig mehr mitgenommen als das Gefühl, gut unterhalten worden zu sein. Mit viel Scharfsinn kritisiert Mhairi McFarlane auch ein wenig die heutige Gesellschaft und wie die Vorstellung von Liebe und Ehe oft im Widerspruch zur Realität steht. Besonders lesenswert ist hierbei die Szene, in der Rachel zu Gast bei Ben und Olivia ist und sich am Abendtisch über die pikanten Themen des Heiratens, Kinderkriegens und unterschiedlicher Lebensentwürfe unterhalten wird. Rachel kann sich als 31-Jährige dem Druck der Gesellschaft sichtbar nicht ganz entziehen: Sie sollte heiraten, Kinder kriegen, glücklich werden. Aber so einfach ist das alles nicht. „Wir in drei Worten“ zeigt dem Leser, wie das Leben eben manchmal so spielt. Aber auch, dass es für Hoffnung nie zu spät ist.